Periorale Dermatitis: Wenn die Ursache nicht in der Hautpflege liegt

Periorale Dermatitis: Wenn die Ursache nicht in der Hautpflege liegt

Eine sorgfältig abgestimmte Hautpflege-Routine gilt gemeinhin als zuverlässiger Schutz vor Hautirritationen im Gesicht. Dennoch berichten viele Betroffene von hartnäckigen, wiederkehrenden Rötungen rund um Mund, Nase oder Kinn – kleine, teils schuppige Knötchen, häufig mit einem charakteristischen schmalen Streifen unbetroffener Haut direkt an der Lippe.

Das klinische Hautbild wird als periorale Dermatitis bezeichnet.

Bei der Ursachensuche geraten häufig Gesichtscremes, Make-up oder Sonnenschutz in den Fokus. Ein Produkt wird dabei aber regelmäßig übersehen, obwohl es täglich mit der empfindlichen Haut rund um den Mund in Kontakt kommt: die Zahnpasta.

Ein unterschätzter Kontaktpunkt

Die Diskussion um saubere, hautverträgliche Inhaltsstoffe konzentriert sich meist auf Gesichtspflegeprodukte. Dabei ist die Haut in der Mundregion bis zu sechsmal dünner als die übrige Gesichtshaut – und sie steht mehrfach täglich in direktem Kontakt mit einem Produkt, das selten als Pflegeprodukt für die Haut betrachtet wird: die Zahncreme.

Viele konventionelle Zahnpasten enthalten Scheuermittel sowie waschaktive Substanzen wie Natriumlaurylsulfat (SLS). Diese sind auf die Reinigung der Zahnoberfläche ausgelegt, hinterlassen beim Ausspucken jedoch häufig einen feinen Rückstandsfilm im Mundbereich. Ein einfacher Test veranschaulicht die Wirkung dieser Inhaltsstoffe auf die Haut: Wäscht man sich über mehrere Tage die Hände mit handelsüblicher Zahnpasta anstelle von Seife, zeigt sich häufig eine spürbar gereizte, ausgetrocknete Haut.

Bei perioraler Dermatitis gilt dieser tägliche, meist unbemerkte Kontakt als möglicher zusätzlicher Reizfaktor – neben etablierten Auslösern wie zu reichhaltigen Cremes oder kortisonhaltigen Präparaten. Die Ursachensuche richtet sich in der Regel auf die verwendete Gesichtscreme; die Zahnpasta bleibt dabei meist unberücksichtigt, obwohl sie zweimal täglich unmittelbar an der betroffenen Hautregion vorbeigeführt wird.

Die Verbindung zwischen Mundmikrobiom und Hautgesundheit

Das Mundmikrobiom umfasst über 700 verschiedene Bakterienarten und stellt keine isolierte Zone dar. Es ist Teil eines übergeordneten Systems, das in der Fachliteratur als MALT (mucosa-associated lymphoid tissue, mit Schleimhäuten assoziiertes lymphatisches Gewebe) beschrieben wird. Schleimhäute unterschiedlicher Körperregionen – etwa Mund und Darm – stehen über das Immunsystem in Verbindung; Irritationen an einer Stelle können sich auf andere Bereiche auswirken.

Gerät das mikrobielle Gleichgewicht im Mund durch aggressive Putzkörper oder austrocknende Tenside aus der Balance, bleibt dies nicht ohne Auswirkung auf die unmittelbar angrenzende Gesichtshaut. Die Kombination aus gestörtem Mundmikrobiom und Reizstoffen, die beim Ausspucken auf die Haut gelangen, gilt als ein möglicher Faktor, der hartnäckige Hautirritationen im Mundbereich zusätzlich begünstigen kann.

Ein eindeutiger kausaler Zusammenhang ist bislang nicht abschließend belegt; die Studienlage zu diesem spezifischen Mechanismus ist noch begrenzt.

Clean-Beauty-Prinzipien und Mundpflege

Bei der Auswahl von Gesichtspflegeprodukten wird die Inhaltsstoffliste von gesundheits- und nachhaltigkeitsbewussten Verbraucherinnen zunehmend kritisch geprüft. Zahnpasta bleibt davon meist ausgenommen – häufig wird über Jahrzehnte hinweg dasselbe Produkt verwendet, ohne die Formulierung zu hinterfragen.

Dieselben Clean Beauty Prinzipien, die für Hautpflegeprodukte gelten, lassen sich jedoch auch auf die Mundpflege übertragen:
 Reizende Inhaltsstoffe sollten reduziert oder vermieden werden. Eine Zahnpflege ohne aggressive Scheuermittel und austrocknende Tenside, die stattdessen auf pflegende, mikrobiomfreundliche Inhaltsstoffe setzt, entlastet nicht nur Zahnschmelz und Zahnfleisch, sondern reduziert auch einen möglichen täglichen Reizfaktor für die angrenzende Gesichtshaut.

Fazit

Bei anhaltender perioraler Dermatitis trotz angepasster Hautpflege lohnt sich ein Blick auf einen Bereich, der bislang selten in die Ursachensuche einbezogen wird: die tägliche Mundpflege.

Der Mund ist kein isolierter Bereich, sondern Teil eines Systems, das mit der übrigen Hautgesundheit in ständigem Austausch steht. Clean-Beauty-Ansprüche an die Gesichtspflege bei gleichzeitig konventioneller Zahnpasta im unmittelbar angrenzenden Bereich stellen eine Lücke dar, die in vielen Pflegeroutinen bislang unberücksichtigt bleibt.

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*Hinweis: Periorale Dermatitis kann verschiedene Ursachen und Auslöser haben. Bei anhaltenden Hautproblemen wird eine dermatologische Abklärung empfohlen.

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